„Homosexuell zu sein ist gegen die Natur!“…

… ist ein Kommentar, mit dem ich kürzlich persönlich konfrontiert wurde und der mich doch ziemlich zum Nachdenken angeregt hat.

Wir leben in einer Zeit, in der oft von Toleranz und Weltoffenheit geredet wird. Und trotzdem hält der Grundgedanke vom klassischen Modell der Mann-Frau-Beziehung stark an der Gesellschaft fest. Erst kürzlich flammten wieder einige Diskussionen zu dieser Problematik auf, als das neue Gesetz der „Ehe für Alle“ in Deutschland beschlossen wurde und in den kommenden Monaten in Kraft treten wird. Einige Medien und eine große Zahl an Social Media Plattformen waren überschwemmt von Meinungen oder Gedanken zu diesem Thema. Und nicht alle waren immer unbedingt positiv.

Einige Kommentare tauchten vermehrt vor allem in öffentlichen Beiträgen auf:

„Schwuler und lesbischer Sex ist die schlimmste überhaupt vorstellbare Sünde!“

„Homosexualität wird in allen „heiligen Schriften“ der großen Religionen verboten (Thora, Bibel, Koran)!“

„Die Toleranz von Homosexualität und der Homo-Ehe ist eine große Gefahr für die traditionelle Ehe und Familie!“

„Schwuler Sex ist sinnlos, da man ja dadurch keinen Nachwuchs zeugen kann!“

oder eben

„Homosexualität ist gegen die Natur!“

Als erstes stellt sich mir natürlich die Frage, auf welchen Argumenten diese Kritikpunkte und Meinungen aufgebaut sind. Die Tatsache, dass sich eine sexuelle Orientierung an der „klassischen Natur“ festmachen lässt, scheint mir relativ widersprüchlich und vermessen aufgebaut zu sein. Zumal diese – nennen wir es „Lebensweise“ – nicht nur eine menschliche ist, sondern auch schon immer im Tierreich vorkommt. Bei mindestens 1500 Tierarten ist homosexuelles Verhalten bisher bereits beobachtet worden. Und bei rund 500 davon sind die Befunde auch sehr gut dokumentiert. Wie kann also etwas gegen die Natur sein, was in der ursprünglichen Natur selbst oft genug vorkommt?

Und meiner Meinung nach, sollte gerade der Mensch selbst vorsichtig sein derartige Argumente anzubringen. Im Sinne der „Natur“ ist es ja auch, dass Lebewesen krank werden oder sogar sterben. Und was macht der Mensch? Er widersetzt sich der „Natur“ und greift durch selbst hergestellte Medikamente in diesen Prozess ein. Er transplantiert Organe oder verwendet lebenserhaltenden Maßnahmen um den Tod zu verhindern und schafft durch künstliche Befruchtung neues Leben. Wie also kann das Argument „Homosexualität ist gegen die Natur“ eine ernstgemeinte Aussage darstellen?

Dennoch hält sich die Ansicht des „Unnatürlichen“ ziemlich hartnäckig in der Gesellschaft. Selbst wenn diese nicht immer offen ausgesprochen wird.

Nehmen wir zum Beispiel Nachrichten über diverse „Coming out’s“ von Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen. Ab und an wird berichtet, dass sich ein weiterer Prominenter zu seiner Homosexualität bekannt hat und sich öffentlich „outet“. Eine derartige Information wäre kaum nennenswert, wenn sie in der Gesellschaft als etwas völlig normales angesehen würde. Der Nachrichtenwert aus diesen Meldungen entsteht aus der Tatsache heraus, dass sie nicht der allgemeinen Norm entspricht. Wenn dem so wäre, würde man darüber nämlich nicht berichten. Informationen über gesellschaftlich „normales Verhalten“ oder alltägliche Situationen finden nur äußert selten ihren Weg in nachrichtenrelevante Themen.

Doch warum ist Homosexualität noch immer nicht zu einer solchen „Normalität“ gelangt?

In den vergangen Jahrhunderten entwickelte sich der Mensch industriell, technisch oder medizinisch. Der Fortschritt scheint kaum Grenzen zu haben. Wir können um die ganze Welt kommunizieren, trotzen der Schwerkraft mit gigantischen Bauwerken oder schaffen künstliche Intelligenzen mit denen wir unser alltägliches Leben steuern können. Nur scheint die Weiterentwicklung der Gesellschaft als solche um einiges langsamer zu laufen. Noch immer werden Begriffe wie „Homo“ oder „schwul“ als Schimpfworte benutzt und finden wenig Respekt. Woran liegt das?

Sicherlich hat ein Großteil dieser Ansichten seine Wurzeln in religiösem Gedankengut. Vor allem in früheren Jahrhunderten war Religion richtungsweisend und klar strukturiert. Menschen dachten und handelten so wie es Ihnen religiöse Meinungsführer vorgaben. Und dieses klassische Bild der Familie im religiösem Sinne von Mann und Frau scheint noch immer tief verankert zu sein. Auch wenn sich im Wandel der Zeit diese Alleinstellung der Religion abgeschwächt hat, sind noch viele Grundgedanken aus dieser Zeit vorhanden. Ähnliche wie der Wandel des christlichen Weihnachtsfestes vom religiösen Feiertag zu einem gesellschaftlichen Fest unabhängig des Glaubens, übertrug sich die Ansicht dass die Konstellation von Mann und Frau als „normal“ gilt.

Ich hoffe sehr, dass sich der Fortschritt im menschlichen Denken in den kommenden Jahren noch weiter entwickeln wird. Dass die Sexualität eines Menschen nicht mehr zum Hauptthema gemacht werden muss sondern immer weiter in den Hintergrund rücken kann. Die Entwicklungen der letzten Jahren haben gezeigt, dass Homosexualität nicht mehr nur ein „Tabu-Thema“ ist. Trotzdem ist es auch noch nicht in der Normalität angekommen. Wir sind auf einem guten Weg. Nicht zuletzt durch das längst überfällige Gesetz zur „Ehe für Alle“ in Deutschland. Dennoch liegt noch ein wahrscheinlich langer Entwicklungsprozess vor uns. Aber dieser scheint nicht unmöglich zu sein.

Immerhin haben wir auch gelernt, dass die Erde keine Scheibe ist.  😉

One Reply to “„Homosexuell zu sein ist gegen die Natur!“…”

  1. Wenn ich diesen „Homosexualität ist gegen die Natur!“-Hinterwäldlersatz höre sage ich immer eins:

    Die Natur, ist schön immer um einen natürlichen Ausgleich bemüht. Wir leben in einer Welt, in der Kranke lange leben. In der gesunde noch länger Leben. ein einer Welt in der es sehr sehr viele Menschen gibt. in einer Welt in der Kinder schon Kinder bekommen. In einer Welt in der Menschen Kinder bekommen, die keine Verantwortung für diese Tragen.

    Und dafür, gibt es einen ganz natürlichen Ausgleich! Homosexualität! Paare die sich lieben, ohne sich fortzupflanzen. Paare die sogar die Nachkommen der „normal-sexuellen“ mit Liebe erziehen und aufwachsen lassen, wenn die angesehene MANN-FRAU-BEZIEHUNG mal wieder gescheitert ist.

    Danke für deine interessante SICHTWEISE ! ! ! ! !

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