Ich oder Du?! - Karriere oder doch lieber Beziehung?

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Ich oder Du?! - Karriere oder doch lieber Beziehung?

Wie viel Egoismus ist eigentlich noch gesund?

Besonders in einer Beziehung stellen sich viele Menschen diese Frage. Besteht eine Beziehung immer nur aus Rücksichtnahme und darin, seine eigenen Wünsche oder Bedürfnisse zurückzustellen um dem Partner damit etwas Gutes zu tun?

Ich denke das gehört unter anderem auch dazu. Schon allein weil eine Beziehung aus dem “Wir”-Gefühl besteht. Und ein reines “Ich” durchzusetzen oft schwierig ist, ohne den anderen vor den Kopf zu stoßen. Gemeinsame Interessen oder Ziele helfen durchaus sehr, diesen Problemen aus dem Weg zu gehen. Im Beitrag “Wenn es die wahre Liebe ist hält es auch für immer” hatte ich aber schon ein paar meiner Gedanken zu einer gut laufenden Beziehung geäußert.

Doch was passiert, wenn Interessen und Vorstellungen zu stark auseinander gehen? Wenn bestimmte Ziele des einen nicht mit denen des Anderen kombinierbar sind?

Nehmen wir beispielsweise den Beruf.

Gerade in der beruflichen Selbstverwirklichung ist Rücksichtnahme ganz oft fehl am Platz. Die Zeit vergeht schnell, Arbeitskräfte sind ersetzbar und minimale Qualifikationsunterschiede entscheiden oft über die Zukunft Einzelner. Wer nicht mitzieht bleibt auf der Strecke. Aber wie weit kann man denn eigentlichen gehen, um seine gesteckten Ziele auch wirklich zu verfolgen?

Es ist kein Geheimnis, dass ein Leben nicht ohne finanzielle Mittel läuft. Aber Geld allein macht nunmal auch nicht wirklich glücklich. Was wollen wir mit einem erarbeitetem Lebensstandard, den wir mit keinem teilen können? Die Kombination aus dem erfüllten Privatleben und dem richtigen Job ist das Ziel vieler Menschen.

Nur leider kann es manchmal vorkommen, dass sich beides schwer miteinander vereinbaren lässt. Was also tun, wenn Konflikte zwischen Beruf und Familie auftreten? Sich für eins von beiden entscheiden? Karriere oder Liebe?

Legt man Wert auf Anerkennung, Erfolg, viel Geld und die Verwirklichung der Ziele oder geht die Reise eher in Richtung Romantik, Zweisamkeit und Familie? Welcher dieser beiden Wege ist denn dann der Richtige?

Muss man sich überhaupt entscheiden?

Viele Menschen haben das Glück beides irgendwie vereinen zu können. Einige können sogar gemeinsam als Kollegen in einem Unternehmen arbeiten, andere sehen sich durch Teilzeit oder Heimarbeit sehr häufig und selbst wenn beide Vollzeit berufstätig sind, ist das in vielen Fällen nicht gleich das Ende für die Beziehung

Schwierig wird es erst, wenn ein Partner aus beruflichen Gründen in eine andere Stadt oder in ein anderes Land ziehen muss. Für den Anderen ist es dann oftmals nur sehr schwer möglich hinterher zu ziehen, da er damit womöglich seine eigene Karriere aufs Spiel setzt. Und die Problematik von der anderen Seite beleuchtet wird.

Ist eine Fernbeziehung dann eine mögliche Alternative mit der beide zurecht kommen?

Auch nicht immer! Klar können ein paar Monate oder ein halbes Jahr vielleicht noch kein Problem darstellen! Es kann schwierig werden, aber trotzdem noch machbar sein. Aber was ist mit der dauerhaften Zukunftsperspektive?  Den neuen Job möchte man ja auch behalten und nicht schon gleich am Anfang an Kündigung denken. So eine Lösung auf unbestimmte Zeit kann viele Beziehungen langfristig gesehen dann doch wieder zu stark überfordern. In so einem Fall muss man in einem der beiden Bereiche Opfer bringen und entweder die Karriere oder sein Liebesleben einschränken.

Also beruflich durchstarten?!…

Wer sich im Berufsleben hohe Ziele gesteckt hat und nicht mit einem „gewöhnlichen“ Job zufrieden ist, muss damit rechnen viel Zeit und Mühe dafür zu opfern. Ganz egal ob ein Job in einer leitenden Position, eine Tätigkeit in Bereichen in denen man nachts oder an Feiertagen/Wochenenden arbeitet oder selbstständig ist. Oft genug wird auch von Berufseinsteigern nach dem Studium oder der Ausbildung enorme Flexibilität gefordert. Selbst wer glücklich vergeben ist, kann hier in eine Zwickmühle geraten, wenn ein besonders gutes Jobangebot winkt oder der Aufstieg auf der Karriereleiter zwingend einen Umzug erforderlich macht.

Nichts davon lässt sich gut so nebenbei erledigen und mal so eben hinter private Belange stellen. Wer hier 100% gibt und den beruflichen Anforderungen nachgeht, hat natürlich nur noch wenige Reserven für sein Privatleben. Zeit die man dann oft lieber dafür verwendet seine eigenen Kräfte wieder aufzufüllen.

Wer sich für einen solchen Karriere-Weg entscheidet, profitiert natürlich von einem Single-Dasein, da er dadurch beruflich flexibler ist. Überstunden, Umzüge und Geschäftsreisen lösen keine Beziehungskrisen oder ein schlechtes Gewissen mehr aus.

Doch nicht immer geht es nur um Zwänge durch Unternehmen oder das große Geld. Oft geht es auch um die Verwirklichung von persönlichen Träumen und Zielen. Den Traumberuf, den wir für lange Zeit unbedingt machen wollen. In dem wir uns vorstellen können, bis zum Rentenalter tagtäglich zu arbeiten. Gerade weil das Renteneintrittsalter immer weiter nach hinten verlegt wird.

Wer sich dann letztendlich aus dem einen oder anderen Grund gegen seinen Partner entscheidet oder zumindest keine Rücksicht auf die Konsequenzen nimmt, die er der Partnerschaft mit seiner Entscheidung zumutet, geht einen schweren Weg und wird selten auf Verständnis stoßen.

Natürlich kann man sich einreden, dass man nicht weiß ob sich der Partner in derselben Situation lieber für die Beziehung entscheiden würde. Man kann auch den Standpunkt vertreten, dass ein Partner, der einen liebt, einen gar nicht erst vor die Wahl zwischen Karriere und Liebe stellen würde und deshalb eine “Entscheidung” gar nicht nötig wäre. Trotzdem wird man mit den Konsequenzen leben müssen.

Was kann denn schon groß passieren? Man riskiert Einsamkeit und auch die Angst, es irgendwann zu bereuen. Besonders wer die Liebe und die Suche nach einem Partner durch den beruflichen Fokus  ganz aus den Augen verliert, wird womöglich im Alter, nach dem Jobverlust oder bei Berufsunfähigkeit das Gefühl haben, keine gute Entscheidung getroffen zu haben.

Also doch die Liebe?!…

Wer fest vergeben ist, hat sich ja im Grunde ja schon gegen die Karriere ohne Kompromisse entschieden. Oder?

Warum sollte man auch etwas so wunderbares wie die Liebe gegen Dauerstress, durchgeackerte Nächte, Überarbeitungs-Bournout und einen frühen Herztod eintauschen? Was nützt denn der schönste Job, wenn man dabei einsam und unglücklich ist und im Grunde nur mit Vollgas auf den Friedhof zu rennt? Wenn keiner da sein wird um den Grabstein mit der Inschrift “Er war der fleißigste hier” besuchen kommt.

Ist es nicht viel schöner, das Leben zu zweit zu genießen und sich dabei in guten wie in schlechten Zeiten zu unterstützen? Einen normalen einfachen Job anzunehmen, in dem man wahrscheinlich trotzdem sehr viel leistet und mit seinem Partner glücklich zusammenleben kann?

Ist es! Keine Frage.
Aber selbst dort gibt es Grenzen, wo die große Liebe in Gefahr sein kann. Wer seinen romantischen Traum lebt, muss auch hier wieder mit Widerständen rechnen. Solange man glücklich miteinander ist, wird man es nicht bereuen sich gegen die Karriere entschieden zu haben. Aber spätestens, wenn eine Beziehung scheitert, können einem die verpassten Chancen schmerzhaft bewusst werden. Immerhin kann man sich in der heutigen Zeit seiner Beziehung nicht mehr so sicher sein wie früher. Weil auch in einer eigentlich funktionierenden Beziehung Gefahren lauern, wenn nicht beide dafür arbeiten.

Was ist beispielsweise, wenn der Partner seinen Traumjob ablehnt, nur um die Partnerschaft nicht zu gefährden? Mit etwas Pech können daraus irgendwann Verbitterung und Vorwürfe entstehen, die man an genau diesem Partner wieder auslässt. Der Traum von der großen Liebe schmeckt dann plötzlich sehr bitter. Wenn er nicht gleich völlig endet und man letztendlich trotzdem einsam auf dem Friedhof liegt aber zusätzlich auch weniger persönliche Ziele erreichen konnte.

Bei der Frage, welcher Weg der bessere ist, gibt es also irgendwie kein „richtig“ oder „falsch“.

Es kommt vor allem darauf an, was für ein Mensch man selber ist  und welche Werte für einen im Leben eine Rolle spielen. Man muss also trotz Beziehung auch mal an sich selber denken können. Ein gesundes Maß an Egoismus entwickeln. Ganz egal ob man nun ein Familien- oder Erfolgsmensch ist oder von beidem ein bisschen. Es ist wichtig, dass man mit den Konsequenzen seiner Entscheidungen klarkommt und im Ergebnis damit glücklich ist. Dazu gehört viel Selbsteinschätzung und nicht immer trifft man dabei auch die richtigen Entscheidungen.

Aber zum Glück sind wir alle nur Menschen! Und zum Glück hat man im Leben immer wieder die Chance die Richtung zu ändern:

Ganz egal ob im Beruf und in der Liebe.

🙂

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