Verliebt, Verlobt, … Verhasst!

Wenn die große Liebe plötzlich zum größten Feind wird!

Kurzer Geschichts-Unterricht 🙂

Der Begriff „Rosenkrieg“ bezieht sich ursprünglich auf die Zeit zwischen 1455 und 1485. In diesen 30 Jahren führten in England zwei adlige Familien einen heftigen Krieg um den englischen Thron. Hauptakteure in diesem realen „Game of Thrones“ waren das Haus York und das Haus Lancaster. Der eigentliche Knackpunkt des Streits war die Tatsache dass beide Familien die selben Vorfahren hatten und deshalb beide von einem der mächtigsten Könige des Mittelalters (König Edward III. ) abstammten. Die Bezeichnung „Rosenkrieg“ lässt sich vermutlich darauf zurückführen, dass durch die Verwandtschaft beide Seiten jeweils eine Rose in ihren Wappen hatten.

Was ist passiert?

Ein wichtiger Grund für den Beginn der Kriege war die Schwäche des amtierenden Königs Heinrichs IV., aus dem Haus Lancaster. Er war während des Hundertjährigen Krieges gegen Frankreich völlig unterlegen und diese Schwäche nutzten Mitglieder des verfeindeten Hauses York, um selbst den Thron zu besteigen. Es gelang Ihnen nach heftigen Kämpfen im Jahr 1461 den Sieg davon zu tragen und die Lancasters nach Schottland zu vertreiben.

Im Jahr 1470 kam es aber zu einer Wende und zum Eingreifen des französischen Königs durch den es wieder ein Angehöriger aus dem Hause Lancaster auf den Thron schaffte.

Ein Jahr später wurde dieser hingerichtet und mit Edward IV. war erneut ein König aus dem Hause York bis 1483 an der Macht.

Dieses ewige Hin und Her machte letztendlich eine andere Familie zum „Gewinner“. Heinrich Tudor, der eng mit den Lancesters verwandt war, kam an die Macht und heiratete die Tochter Edwards IV. aus dem Haus York.

Der jahrelange Krieg der zwei Familien wurde mit einer Hochzeit schlagartig beendet und der Streit für immer geschlichtet.

Und heute?

In der heutigen Bedeutung des Wortes „Rosenkrieg“ scheint diese Geschichte rückwärts zu verlaufen und nach der vermeintlich harmonischen Ehe ein Kampf zwischen einer einst verbundenen Familie zu entstehen. In einem Rosenkrieg finden nicht selten heftige, sich steigernde Auseinandersetzung bis zur Selbstzerfleischung beider Parteien statt.

Aber warum ist das so? Warum will man den Menschen, mit dem man früher sein restliches Leben teilen wollte später in gewisser Weise fertigmachen?

Der Zustand des Rosenkrieges findet in der Regel noch während beide Parteien verheiratet oder in einer anderen Form miteinander verbunden sind statt. Er läuft also noch während oder vor der letztendlichen Scheidung und ist somit eine Weiterführung der bisherigen Beziehung auf einem ganz anderen Level als zuvor.

Kann es also sein, dass ein solcher Kampf deshalb geführt wird, weil einer der Beteiligen (oder beide) der Beendigung der Beziehung insgeheim noch nicht zugestimmt haben? Sicherlich!

„Menschen können leichter auseinandergehen, wenn sie das Gefühl haben, dass zwischen dem, was sie gegeben haben und dem, was sie genommen haben, ein Ausgleich herrscht.“

(Ilse Gschwend / Familientherapeutin)

Es sind also noch „emotionale Rechnungen“ zu begleichen, die einen Schlussstrich unmöglich machen und deshalb der Kontakt irgendwie aufrecht erhalten bleiben muss. In den meisten Fällen auf negativer Art und Weise da ein positiver Kontakt nach dem Entschluss der Trennung als unangemessen oder unmöglich erachtet wird. Gründe für so einen Ausgleich sind vor allem Vorfälle wie Ehebruch, Untreue, Lüge und Täuschung des Partners sowie körperliche bzw. psychische Gewalt während der Beziehung. Emotionale Verletzungen die einem zugefügt wurden sollen dadurch irgendwie wieder ausgeglichen werden. Und diese Gründe kommen nicht selten vor!

Mittlerweile ist wissenschaftlich auch belegt, dass jede zweite Scheidung von „Rosenkrieg“ dominiert wird! Erschreckend, oder? Einer Person der man einst feierlich und unter großem Aufwand mit langer Planung das Ja-Wort gab, später das Leben zur Hölle zu machen.

Welche Auswirkung hat die ganze Sache?

Die Folgen werden deutlich wenn man bedenkt, dass fast 80% der Personen, die kriegsartige Probleme während der Scheidungsphase hatten, unter mindestens einer schwerwiegenden körperlichen Beschwerde leidet. Solche Beschwerden sind beispielsweise schlaflose Nächte, Trauer, Wut, Hass oder Angst, bohrende Kopfschmerzen, Magen-Darmbeschwerden oder zunehmend chronisch werdende Rückenschmerzen die das Leben stark beeinträchtigen. Es gibt echt unzählig viele Symptome die daraus tatsächlich entstehen können. Bis hin zu einer extremen Langzeit-Belastung für Psyche und Körper.

Körperlich krank, psychisch verletzt und nachhaltig gezeichnet stehen dann zwei ehemals Liebende nach einem emotionalen, oft jahrelangen Beziehungs- und Trennungs-Kampf vor dem Scheidungsrichter.

Aber wie machen sich die Ex-Partner gegenseitig so kaputt?

Es gibt ganz unterschiedliche Waffen, die bei diesem Krieg zum Einsatz kommen können um diese Folgen zu erreichen.

Die klassischste Waffe ist immer noch das Druckmittel Geld. In den meisten Fällen sind Frauen während der Ehe abhängig von den finanziellen Mitteln des Mannes. Diese Tatsache hat sich in der Vergangenheit zwar schon stark verändert und ist nicht mehr so aktuell wie früher, trotzdem herrscht diese Verteilung auch heute noch oft in vielen Familien vor. Deshalb ist auch nach der Trennung die finanzielle Abhängigkeit ein großer Punkt und bietet somit dem Ex-Partner ein ideales Druckmittel für Streitigkeiten. Das Ausbleiben der Unterhaltszahlungen stellt einen starken existenzgefährdenden Angriff dar, der als angemessene „Bestrafung“ angesehen wird und große psychische und körperliche Folgen haben kann.

Vor allem, wenn die Frau ihre geringeren Mittel auch noch für die gemeinsamen Kinder aufbringen muss und dadurch von Unterhaltszahlungen noch abhängiger wird, ist dieses Druckmittel als Angriff am effektivsten. Auf der anderen Seite nutzen viele Frauen aber eben auch diese Kinder als Gegenwaffe des Krieges. Väter, denen die Beziehung zu Ihren Kindern wichtig ist, haben bei der aktuellen Gesetzeslage schlichtweg schlechtere Karten, wenn die Mutter aufgrund der Streitigkeiten den Umgang oder den Besuch der Kinder verhindern möchte. Deshalb wird meist mit dem Entzug der Kinder gedroht, um den Vater emotional anzugreifen.

Natürlich sind diese Szenarien nur Beispiele und man kann nicht pauschal sagen welche Seite welche Mittel einsetzen kann. Die Verteilung kann auch andersherum sein. Aber ganz egal wer welche Waffen einsetzt, um den anderen zu schaden, die Ziele oder Absichten sind ähnlich. Der emotionale Ausgleich! Und dieser zur Not auch mit negativen Mitteln oder durch körperliche Schmerzzufügung!

Geht die Rechnung auf?

Ganz klar, Nein!

Dieser Krieg schafft es nie wirklich die „offenen Rechnungen“ zu begleichen, denn der Preis für die eigene Person ist letztlich auch ziemlich groß.

Wenn man beispielsweise die eigenen Kinder in den Streit einbezieht, kann dies später schwerwiegende Folgen haben. Gerade Minderjährige können sich spätestens dann, wenn sie älter werden und den nötigen emotionalen Spielraum haben, von dem Elternteil der den Kontakt verhindert abspalten, damit sie zum jeweils anderen gehen können, um die verpasste Zeit nachzuholen.

Aber auch andere Mittel können dazu führen, mit einer Attacke Richtung Ex sich selbst zu treffen. Es gibt nämlich auch so etwas wie einen „Überpreis“. Durch die nachträgliche Abwertung des Expartners werden demzufolge auch andere Sachen zwangsläufig mit abgewertet, auf die man doch eher positiv zurückblicken kann. Das führt dann wiederum dazu, rückblickend eine eigene Unzufriedenheit aufzubauen.

Was an den gesamten Kämpfen auch so gefährlich sein kann, ist die Tatsache, dass es nur dann ausgeglichen ist, wenn der andere mindestens gleichviel oder sogar noch ein bisschen mehr gelitten hat.

Und darum dauern Rosenkriegen oft auch so lange! Weil ein „Anschlag“ meistens einen Gegenschlag provoziert. Da sich jede der beiden Parteien im Recht fühlt, führt ziemlich jede Attacke zu einem gefühlten Ungleichgewicht. Um dieses wieder auszugleichen wird eine neue Aktion geplant und durchgeführt. Wie eine Schaukel, die von beiden Seiten immer wieder aufs neue angeschoben wird. Auf dieser Eskalationstreppe sind dann der kreativen Anwendung der niederen Instinkte keine Grenzen mehr gesetzt, weil der andere immer wieder eine Schippe drauflegen möchte, um selbst eine positive Befriedigung daraus zu ziehen.

Je nach den eigenen Voraussetzungen oder der eigenen Vorgeschichte wird dieser Kampf unterschiedlich stark geführt und die Schädigung des Anderen aber auch der Preis der Selbstvernichtung in Kauf genommen.
Im Endeffekt verlieren also beide Seiten diesen Krieg irgendwie. Und nicht nur das! Auch beteiligte Personen (vor allem die Kinder der beiden Ex-Partner) gehen zwischen den Fronten als große Verlierer heraus. Denn wenn es den Eltern schlecht geht, geht es auch den Kindern schlecht und umgekehrt. Und dabei ist es völlig egal in welchem Alter sich die Kinder befinden. Auch an älteren geht diese Schlacht nicht spurlos vorbei.

Das Bedürfnis nach negativem Ausgleich während der Scheidung, ist irgendwie leider menschlich, auch wenn es kränkend und schädigend ist und oftmals die Würde des Menschen verletzt.

Muss das sein?

Wieso können so viele Menschen nicht über Ihren Schatten springen und das Gefühl der Rache ignorieren? Den Drang nach Ausgleich ausblenden? Es wäre doch so einfach dem Ex-Partner das Gefühl zu lassen „gewonnen“ zu haben und damit dem Aufbau weiterer Stufen entgegenzuwirken? Wieso geben so viele Menschen nicht einfach auf, um ihre Ruhe zu haben?

Egoismus? Bestimmt ein wichtiger Punkt bei der ganzen Sache?

Mir geht es schlecht! Wenn es mir schlecht geht, soll es dem anderen auch schlecht gehen! Oder besser noch! Es soll ihm noch schlechter gehen!

Eine relativ primitive Denkweise. Zumindest wenn man im Hinterkopf behält dass die Beziehung oder die Eheschließung darauf beruhte, sich gegenseitig zu schützen, zu achten oder bestenfalls auch noch zu lieben.

Dass eine Beziehung scheitern kann ist jedem bewusst. Aber der Grund dafür ist so gut wie nie bei nur einer Person zu finden. Daran haben beide Partner ihren Anteil. Deshalb ist die Tatsache des Ungleichgewichtes doch gar nicht gegeben! Wieso sollte man dann versuchen dieses mit bösartigen Racheaktionen zu begleichen?

Wenn man den Entschluss zu einer Trennung trifft, sollte man sich auch an diesen halten. Der Sinn einer Scheidung oder Trennung ist doch letztendlich der, mit dem (Ex)Partner nichts mehr teilen zu wollen?

Anstatt unnötige Kräfte aufzubringen um dem jeweils anderen das Leben schwer zu machen, wäre es doch um einiges sinnvoller, die Zeit und Energie für den Aufbau eines neues Lebens zu nutzen.

Der Grundgedanke „Wie Du mir, so ich Dir!“ war schließlich schon immer so ziemlich der dümmste Ansatz überhaupt!

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