Chemnitz - Das Problem der Stadt sind nicht nur die "Nazis", sondern auch viele der Einwohner hier!

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Chemnitz - Das Problem der Stadt sind nicht nur die "Nazis", sondern auch viele der Einwohner hier!

Kaum ein Mensch in Deutschland konnte die Bilder, Aussagen und Stimmungslagen der vergangenen Tage in der ostdeutschen “Großstadt” Chemnitz übersehen. Selbst weltweit werden die teilweise aggressiven Ausschreitungen und Kundgebungen diskutiert und analysiert.

Und gerade für mich als Chemnitzer bereiten die derzeitigen Schlagzeilen große Bauchschmerzen und lösen ein gewisses Gefühl von “Fremdschämen” für meine Geburts- und Heimatstadt aus. Aber wie konnte es überhaupt soweit kommen, dass sich eine große Empörung, verzweifelte Ratlosigkeit und dieser fremdenfeindliche Hass überhaupt so stark entwickeln konnte?

Ich persönlich mag Senf! Und deshalb gebe ich meinen zum aktuellen Thema gern hinzu. Abseits der objektiven Berichterstattung möchte ich hier gezielt meine persönliche Meinung äußern und ein paar Gedanken dazu in die Welt tragen.

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Kurzer Rückblick der vergangenen Woche:

Der wirklich tragische Mord an Daniel H. (35) am vergangenen Sonntag ist und bleibt der Auslöser der aktuellen Lage in Chemnitz. Dieser wurde nach einer Messerstecherei schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht und erlag kurze Zeit später an seinen Verletzungen. Ein Syrer und ein Iraker wurden als Tatverdächtige festgenommen und danach eskalierte die Stimmung in der Stadt. Fremdenfeindliche und rechtsextreme Gruppen riefen zu einer Demo am Sonntag Nachmittag auf. Auch am Montag danach versammelten sich tausende Menschen auf den Straßen zu einem “Trauermarsch”. Unter ihnen unzählige Neonazis und Hooligans. Samstag Abend die nächste kritische Situation der Stadt bei einer erneuten Demonstration. Menschen zeigten Montag den Hitlergruß, drohten Samstag mit Gewalt. Die sächsische Polizei anfangs völlig überfordert und unterbesetzt kann Übergriffe auf Journalisten oder Polizeibeamte nicht völlig verhindern. Alles in Allem schreckliche Bilder in einem Land, in dem nun völlige Ratlosigkeit ausgelöst wurde.


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Das wirklich große Problem bei der ganzen Sache ist jedoch die, dass unter diesen tausenden Menschen der vergangenen Demonstrationen nicht ausschließlich rechtsextreme Neonazis der Stadt Chemnitz waren, sondern auch “Demo-Touristen”, die für Krawall und Streit extra angereist waren und auch Melanie und Max Mustermann von nebenan.

Das Problem der Stadt sind also nicht nur Nazis, sondern die normalen Bürger!

Nur wissen Melanie und Max leider nicht, was genau sie da überhaupt unterstützt haben und trugen dazu bei, dass Chemnitz nun weltweit in einem relativ schlechten Licht steht und in Zukunft mit den Folgen dieses neuen Images noch größere Probleme herbeigeführt hat. Die Frage die sich nun stellt ist, warum ein Großteil der Chemnitzer Bürger einen solchen Hass aufbauen, diesen unterstützen oder zumindest nicht viel dagegen tun konnte?

Meiner Meinung nach gibt es auf diese Frage keine pauschale Antwort oder DEN konkreten Grund dafür. Wir reden hier über eine Stadt im ostdeutschen Sachsen, welches eines der neuen Bundesländer der BRD ist. Und genau hier setzt sicherlich ein wichtiger Grund bereits an. Der Freistaat Sachsen ist ein Bundesland mit einer sehr großen und vor allem komplizierten Geschichte. Und um zu verstehen, warum in Chemnitz die Situation derartig eskaliert ist, muss man versuchen die Stadt und das Bundesland zu verstehen.

Problem 1: Wenn man gegen “RECHTS” ist, dann ist man “LINKS”

Ein sehr großes Problem, welches mir aufgefallen ist besteht darin, dass in Chemnitz derzeit oftmals die extremen politischen Ausrichtungen dominieren. Da gibt es vor allem die rechtsextreme Meinung, die in den Medien sehr oft beschrieben wird. Auf der anderen Seite gibt es jedoch einige Chemnitzer, die dieser Meinung nicht zustimmen und sich dem extremen Gegenteil zuwenden. Dazwischen kaum Stimmen. Doch ganz egal ob rechts- oder linksextrem … Extrem ist der ausschlaggebende Punkt bei der derzeitigen Gesamtsituation, der ein hohes Konfliktpotential mit sich bringt.
Denn Politik und vor allem Demokratie ist nicht wie ein “Tauziehen”, bei dem zwei Gruppen versuchen Ihre Meinung, Ansichten und Ziele durchzusetzten. Genau dadurch wird der Kampf der zwei Seiten über den Köpfen der Mitte aber ausgetragen! Demokratie baut auf ein Fundament auf, bei dem flächendeckend ALLE ihren Teil zu tragen haben!

Wenn jedoch Politik und Medien durch pauschalisierte Aussagen oder die Unterstützung linksextremer Konzerte die Bürger in zwei Strömungen teilt, dann erwecken sie genau das Gefühl, es ginge um ein Tauziehen!
“Rechte Demonstranten” und “linke Demonstranten” oder “Nazis” vs. “Antifa” teilen Chemnitzer Bürger genau in zwei Lager auf und blenden die bürgerliche Mitte komplett aus. Und meiner Meinung nach liegt auch hier der Grund dafür, dass die breite Masse der Stadt dazu schweigt! Denn viele Menschen wollen sich schlichtweg nicht für eine der beiden extremen Seiten entscheiden. Verständlich, wenn man bedenkt, dass man sich als demokratischer Mensch nicht auf die Seite der “Nazis” stellen möchte, jedoch linksextreme Vorgehensweisen ebenfalls ablehnt. (Wir erinnern uns an die linksextremen Ausschreitungen zum G20 in Hamburg).

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Zu diesen Menschen (die sich keiner der beiden Strömungen zugehörig fühlen) muss ich mich selbst ebenfalls dazu zählen! Ich verabscheue und lehne Rassismus und Rechtsextremismus komplett ab! Und finde ebenfalls, dass Rechtsextremen, Neonazis oder Hooligans in Deutschland keine Möglichkeit zur fremdenfeindlichen Meinungsäußerung gegeben werden darf! Jedoch möchte ich linksextreme Bewegungen auch nicht unterstützen! Weil diese Seite meiner Meinung nach ebenfalls Gewalt anwendet um ihre Interessen durchzusetzen und diese Gewalt als “in Ordnung” begründet, um nationalsozialistische Gedanken zu bekämpfen! Und aus diesem Grund gab es für mich persönlich bisher keine Möglichkeit in der Stadt Chemnitz an der Diskussion teilzunehmen, ohne auf eine bestimmte Seite geschoben zu werden! Und genau dieses Problem existierte in der vergangen Woche bei mehreren Personen, mit denen ich mich unterhalten habe.
Und genau dadurch wird nationalsozialistisches Gedankengut umso lauter, denn es gibt weniger Menschen, die die Äußerungen übertönen! Deshalb sollte hier vor allem die Politik einen bestimmten Raum schaffen, in dem Meinungen geäußert werden können, ohne pauschalisiert zu werden. Und ich als Chemnitzer kann sagen, dass diese Möglichkeit hier definitiv fehlt!

Die Menschen der “Mitte”, die dennoch ein enormes Bedürfnis haben, eine Veränderung herbeizuführen oder ihr Probleme zu äußern und nicht zu schweigen, entscheiden sich momentan zwangsläufig für eine der beiden Seiten und unterstützen somit die Provokation der jeweils anderen! Ich habe selbst beobachten können und mit Menschen in Chemnitz gesprochen, die sich an den Demonstrationen beteiligten, ohne genau zu wissen auf welcher Seite sie sich besser aufgehoben fühlen. Eine große Vielzahl von Personen lief zwischen den einzelnen Lagern hin und her oder beobachtete das Geschehen vom Rand aus. Medien zählten diese Menschen jedoch als Demonstranten einer bestimmten Seite mit, obwohl keine konkreten Seite sympathisiert wurde.

Mittlerweile äußern sich Firmen, die Kirche oder andere Organisationen zu Wort und schaffen diese Räume ohne politische Ausrichtung. Wir sind also auf einem guten Weg. Nur leider viel zu langsam und noch viel zu leise. Ich hoffe, dass diese Stimmen in Zukunft stärker unterstützt werden.

Problem 2: Nicht nur die Flüchtlingspolitik von Merkel und Co. ist Schuld an der Eskalation in Chemnitz

Der Staat hat Schuld! Merkel hat Schuld! Die Ausländer haben Schuld!

Wenn es so einfach wäre, dann gäbe es die Situation derzeit gar nicht! Meiner Meinung nach liegt das Problem viel tiefer als an den Flüchtlingsströmen der Vergangenheit.

Wir schaffen das! …

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… hieß es 2015 als tausende Einwanderer nach Deutschland kamen um sich hier ein neues Leben abseits der Probleme, Schwierigkeiten und Zustände in ihren Heimatländern aufzubauen wollten.

Doch was genau meinte Angela Merkel mit “Wir”? Meinte sie Deutschland als gemeinsames und vereintes Land, oder nur die Bundesrepublik Deutschland? Denn genau hier sehe ich ein weiteres großes Defizit in der Regierung unseres Landes! Die Bundesrepublik Deutschland wurde am 23. Mai 1949 gegründet! Also vor 69 Jahren. Sachsen gehört (zusammen mit den restlichen “neuen Bundesländern”) erst seit 28 Jahren dazu.
Der Begriff “neue Bundesländer” beschreibt schon ziemlich genau, das das “WIR” in Merkels Aussage differenziert zu betrachten ist. Denn selbst heute nach fast 28 Jahren sehen sich viele Ost-Bürger noch immer nicht als gleichberechtigten Teil Deutschlands. Stichpunkte wie der Solidaritätszuschlag der ursprünglich für den Aufbau Ost gedacht war, die Unterscheidung zwischen “alte” und “neue” Bundesländer oder der Unterschied des Lohnniveaus zwischen Ostdeutschland und Westdeutschland zeigt ebenfalls sehr deutlich, dass die breite Masse der Bürger sich noch nicht als gleichberechtigten Teil der Republik ansehen. Offiziell hat Sachsen die selben Rechte und Pflichten, wie jedes andere Land auch. Der Eindruck der jedoch durch viele Äußerungen oder Sachverhalte vermittelt wird, suggeriert etwas anderes.

Besonders hart kommt dieses Problem zu tragen, wenn man bedenkt, dass die Bundesregierung oft und viel über Integration von Flüchtlingen spricht. Man möchte Menschen aus einem anderen Land in die Bundesrepublik integrieren, verpasste aber die Integration der Ostdeutschen nach 1990. Zu dieser Zeit kamen ebenfalls tausende Menschen aus der ehemaligen DDR in die heutige BRD. Es prallten ebenfalls verschiedene Mentalitäten und Denkweisen aufeinander.
Damals erhofften sich jedoch keine Flüchtlinge ein besseres Leben, sondern viele Bürger des heutigen Ostdeutschlands. Sie glaubten an einen Neuanfang und kamen voller Euphorie und Träumen in die Bundesrepublik. Aber sehr viele von ihnen wurden hart enttäuscht und werden nun oftmals als “Verlierer der Wende” bezeichnet. An diesem Fakt ist unsere Bundeskanzlerin nicht “Schuld” aber sie ist nun mit den Folgen konfrontiert und scheinbar nicht in der Lage gewesen, diese Probleme zu lösen.

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Das Regierungssystem der DDR war schlichtweg ein anderes als das Heutige. Und ab 1990 mussten sich die Menschen plötzlich häufiger selbst organisieren, hatten eine viel größere Auswahl an Entscheidungen die getroffen werden mussten und bekamen die Möglichkeit bzw. die Pflicht selbst zu denken! Und 28 Jahre danach scheinen sich noch immer viel zu viele Personen nicht daran gewöhnt zu haben.
Durch Gespräche mit einigen Chemnitzern habe ich in letzter Zeit ein Grundproblem beobachtet. Ein zu großer Teil der Bürger hier lebt noch mit der Auffassung, dass der Staat die komplette Verantwortung trägt und Probleme zu lösen hat! Eine Demokratie jedoch baut auf viele Menschen auf und auf den Austausch mehrerer Meinungen und Lösungsvorschlägen. Das scheint jedoch in den meisten Köpfen der Chemnitzer nicht angekommen zu sein! Sie suchen die Schuld und die Verantwortung beim Staat und sind anfälliger für Meinungsführer, als die Menschen in Westdeutschland (Die bereits zwei Generationen länger an das Regierungssystem gewöhnt werden konnten). Und deshalb schließen sich auch viele Bürger den rechtsextremen Stimmen an. Es ist einfacher einer Meinung zu folgen ohne selbst nachdenken zu müssen. 28 Jahre hört sich im ersten Moment ziemlich viel an. In der Geschichte eines Landes jedoch ist diese Zeit viel zu kurz. Vor allem, wenn man über Integration spricht! Integration betrifft mehrere Generationen. Der Osten Deutschlands konnte jedoch noch nicht mit vielen Generationen an die BRD anwachsen. Und die Ansichten und Meinungen werden sicherlich unbewusst noch an die Folgegeneration weitergegeben. So ist zumindest mein Eindruck der derzeitigen Stimmung vieler Menschen hier in Chemnitz.
Ich möchte nicht sagen, dass ALLE Chemnitzer unterbewusst noch zu starke DDR-Bürger sind. Das ist sicherlich nur ein kleiner (wenn auch nicht ganz unwesentlicher Teil), der Einwohner hier. Aber in den letzten Tagen sind mir viele Aussagen aufgefallen, die darauf schließen lassen, dass es in dieser Stadt doch noch relativ verbreitet zu sein scheint. Ob das in anderen Städten Sachsens ebenfalls so ist, kann und möchte ich nicht pauschal sagen. Ich kann nur meine Erfahrungen in Gesprächen hier festhalten.

Einige Chemnitzer fühlen sich demnach also anscheinend noch nicht ausreichend in die BRD integriert und werden seit 2015 mit der Flüchtlingsproblematik konfrontiert.

Zu dem Thema habe ich vor kurzer Zeit eine sehr interessante Meinung gehört die mir im Kopf hängen geblieben ist. Ob diese Aussage so stimmt, kann ich nicht mit Sicherheit sagen, erscheint mir jedenfalls ziemlich plausibel zu sein:
Das Problem ist zwar relativ umfassend und sehr kompliziert, trotzdem lässt es sich ein Stück weit herunterbrechen auf eine Problematik, die auch Eltern mit ihren Kindern oft durchleben müssen.

Was haben die Chemnitzer mit familiären Problemen gemeinsam? Ganz einfach!

 


Ein Kind, welches die volle Aufmerksamkeit seiner Eltern bekommt, wird vor eine harte Probe gestellte, wenn plötzlich ein Geschwisterkind auf die Welt kommt. Es entsteht eine Art Eifersucht auf das neue Baby! Die Eltern kümmern sich intensiv um den neuen Nachwuchs und die Aufmerksamkeit der Eltern muss plötzlich geteilt werden. Oftmals zeigt sich der Frust des ersten Kindes dann meist in Form von Aggression oder Abneigung gegenüber des neuen Nachwuchses!


 

Ein ziemlich simpler Vergleich aber so in etwa fühlen sich viele Chemnitzer seit knapp drei Jahren. Vom Westen nicht wirklich akzeptiert und vom Vater Staat und Mutter Merkel nicht mehr mit voller Aufmerksamkeit betrachtet, kommen neue “Geschwister” ins Land, um die sich plötzlich die Regierung kümmern muss. Ganz Deutschland spricht und diskutiert seit Jahren über Flüchtlinge und Ausländer und die deutschen Bürger in Chemnitz fühlen sich überfordert, missachtet und zeigen dies in Form von Aggression und Gewalt. Und Chemnitzer versuchen mit Parolen wie “Wir sind das Volk” die Aufmerksamkeit wieder auf sich zu lenken.

Der Fehler der Politik war auch, die Bürger mit der Situation in Ungewissheit zu lassen. Es wurde in der Öffentlichkeit zwar gesagt, dass WIR es schaffen, aber nicht erklärt wie lange, oder was genau geschafft werden soll. Die Menschen sehen kein Ende, kein Ziel und in den letzten Monaten auch keinen konkreten Fahrplan. Die Bürger wurden mit ihren Fragen und Problemen allein gelassen und konnten in aller Ruhe ihren Hass unbeobachtet aufbauen.

 

Problem 3: Man sieht, was man sehen will!

Ich möchte an dieser Stelle jedoch nicht behaupten, dass der Hass, der sich in den vergangenen Monaten und Jahren aufbaute begründet und gerechtfertigt ist! Weil das ist er definitiv nicht!

Aber mit den Schwierigkeiten und den damit verbundenen Aggressionen, mit der die Bürger konfrontiert waren verändern sich über einen längeren Zeitraum natürlich auch die Sichtweisen der Menschen! Mittlerweile sehen sie, was sie sehen wollen und glauben das, was sie denken zu sehen. Und auch hier kann man sich ein Beispiel aus dem Alltag nehmen um dies besser nachvollziehen zu können:

 


Wenn man sich von seinem Partner getrennt hat und mit Liebeskummer durch die Welt geht, scheint es so, als würde an jeder Ecke ein verliebtes Pärchen stehen. Die ganze Welt scheint voller glücklicher Menschen zu sein, die in einer erfüllter Partnerschaft leben während man selbst dem Ex nachtrauert. Oder eine Frau, die den großen Kinderwunsch bisher unerfüllt träumt, sieht ebenfalls an jeder Ecke einen Kinderwagen oder zumindest einen schwangeren Baby-Bauch. Wenn man also mit einem unterbewussten Fokus durch die Welt geht, dann fallen einem bestimmte Sachen mehr auf als andere. Man sucht unbewusst Belege dafür.


 

So geht es vielen Menschen in Chemnitz die unbewusst nach einem Beweis dafür suchen, dass Migranten, Flüchtlinge oder Ausländer das Problem sind. Und das obwohl klare Fakten dagegen sprechen.
Diese Fakten werden jedoch völlig ausgeblendet oder ignoriert, weil die subjektive Wahrnehmung etwas völlig anderes sagt und von fremdenfeindlichen Parteien weiter unterstützt wird.

 


Ein kurzer Abriss der Faktenlage:
Rückgang der Kriminalität in Deutschland

Letztes Jahr wurden laut Kriminalstatistik der Polizei 5,76 Mio. Straftaten registriert und damit 9,6% weniger als zuvor. Die Zuwanderung nach Deutschland hatte also keinen Anstieg der Straftaten zur Folge.

Im Gegenteil! Der Stand ist niedriger als in den letzten dreißig Jahren.

Auch die Zahl der Gewaltdelikte ging um 2,5% zurück.

2017 steig zwar die Zahl der Mordopfer in Deutschland an, ist und bleibt jedoch Rückläufig und liegt im Vergleich zu anderen Ländern enorm tief!
(Deutschland verzeichnet 0,88 Mordopfer pro 10.000 Einwohner – Russland über 10 Mordopfer pro 10.000 Einwohner – Selbst Frankreich bei etwa 1,23 Mordopfer scheint gefährlicher zu sein als Deutschland)


 

Und warum Flüchtlinge? Wieso suchen Menschen eine Begründung, dass Flüchtlinge automatisch mehr Straftaten und Gewalt nach Deutschland bringen? Und das obwohl in Ostdeutschland weniger Ausländer leben als in Westdeutschland? Weil Flüchtlinge leichte und vor allem greifbare Sündenböcke sind.

 

Problem 4: Flüchtlinge sind “greifbare Sündenböcke”

Wie bereits angesprochen sind viele Chemnitzer schlichtweg überfordert. Das “neue” Regierungssystem, an das sie sich die letzten 28 Jahre gewöhnen mussten und die Enttäuschung dass der “Traum des schönen Westens” sich als schwieriger Alptraum entpuppte, haben wir schon betrachtet. Dazu kommen weitere Probleme die flächendeckend viele Menschen beschäftigen. Die Zeit und die Gesellschaft wird immer schneller. Ostdeutsche mussten sich nicht nur an das neue Leben ohne DDR gewöhnen, sondern sich mit der Digitalisierung vertraut machen. Das Internet kam und veränderte Alles und die Europäische Union entstand und brachte einige Veränderungen (unter anderem der bereits zweite Wechsel der Währung) mit sich. Man musste sich in den neuen Bundesländern gleichzeitig in mehreren Bereiche des Lebens komplett umstellen, obwohl man vorher abgeschottet vom Rest der Welt in einem kleinen Land lebte. Und das in einem so schnellen Tempo, dass viele nicht schnell genug mithalten konnten. Sie blieben einfach auf der Strecke und sehnten sich nach einer Hand, die ihnen zeigte wo es lang gehen kann. Und diese Hand gab ihnen nicht nur der Staat oder die Politik des Landes, sondern offensichtlich auch rechtspopulistische Organisationen. Das wird einer der Gründe sein, wieso gerade in Sachsen ein Hotspot von Nazis existiert, die sich genau diese Hilflosigkeit zunutze machen.

Die Überforderung und Ratlosigkeit in allen Lebensbereichen gipfelte in der Flüchtlingspolitik seit 2015.

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Die Menschen der ehemaligen DDR wurden erneut mit einer völlig neuen Situation konfrontiert. Aufgewachsen und jahrelang abgeschirmt von vielen Ländern und anderen Nationalitäten überrannten vor drei Jahren letztendlich viele Flüchtlinge die Bundesrepublik Deutschland. Und wieder mussten sich die Menschen im Osten an etwas neues gewöhnen. Aber dieses Mal mit einem gravierendem Unterschied! Flüchtlinge sind greifbar und präsent.

Die Politik kann kritisiert werden. Und viele Chemnitzer tun dies auch nur zu gern. Aber das grundlegende Verständnis von Demokratie ist in den Köpfen noch nicht zu 100% verankert.
Menschen gehen nicht zur Wahl weil sie der Meinung sind, dass sich sowieso nichts ändert. Menschen geben einer Bundeskanzlerin die alleinige Schuld an allem, ohne zu verstehen, dass unsere Regierung nicht einzig und allein von einer Frau Merkel als Diktatur geführt wird, sondern jeder Bürger durch eigene Initiative dazu beitragen kann, Veränderungen herbeizuführen. Die Verantwortung und eben auch die Schuld wird abgeschoben nach oben. An dem “Oben” kann man aber laut vieler Meinungen der Chemnitzer sowieso nichts ändern. Also ist eine Veränderung dort scheinbar nicht greifbar.

Das Internet oder die Technik überfordert ebenfalls viele Menschen. Der technische Fortschritt entwickelt sich so rasant, dass vor allem alte Menschen das Gefühl haben, ausgegrenzt zu werden. Viele Sachen funktionieren ohne Internet oder andere komplizierte Technik kaum noch und wer nicht auf der Strecke bleiben will, muss mitziehen. Ob er möchte, oder nicht. An dem Fakt “Digitalisierung und Fortschritt” kann auch kritisiert aber nichts verändert werden.

Flüchtlinge hingegen sind Menschen in der unmittelbaren Nähe. Sie sind keine Politiker die einen nicht hören und mit mehr Geld und viel Einfluss dem Volk “überstellt” sind. Sie sind kein Internet oder keine neue Währung die man einfach so akzeptieren muss, weil sie fremd gesteuert sind. Sie sind Menschen, die greifbar sind. Denen man Beleidigungen direkt ins Gesicht werfen kann. Sie sind in der Minderheit und dominieren nicht die Gesellschaft. Sie sind deshalb für viele Menschen die passenden Sündenböcke! Und der gesamte Frust über verschiedene Lebensbereiche kann über Flüchtlinge als Ventil abgelassen werden. Ich will hier definitiv keine Begründung liefern, die die Äußerungen der Chemnitzer gutheißen oder rechtfertigen. Es sind lediglich Aufzählungen, die zum Verständnis beitragen sollen, dass sich der Großteil der Chemnitzer schlichtweg überfordert fühlt und den Frust im Flüchtlingsthema ablassen will.

Und genau hier besteht das große Problem für die Zukunft! Die Lösung für die Situation ist nicht nur zu sagen, dass die Demonstrationen in der Stadt aufhören müssen. Die Lösung besteht auch nicht darin, mit Gratis-Konzerten den linken Flügel zu unterstützen, damit der rechte Flügel verstummt. Es gilt, die Probleme der Bürger effektiv zu lösen und die Ursache für den Fremdenhass zu beseitigen.
Auch mit dieser inneren Unzufriedenheit der Menschen gehen die Demonstrationen in Chemnitz trotzdem vorbei. Die Aufregung wird sich lösen und es wird wieder ruhig in der Stadt. Aber der Frust und der Hass bleibt. Und es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis ein erneuter Auslöser die Situation zum überkochen bringt. Die Grundstimmung der Menschen im Osten muss verändert werden. Und das gelingt nur, wenn alle zusammenarbeiten. Sowohl Politiker als auch Einwohner.

 


Kleiner Einwurf an die Stadt Chemnitz:

Wenn man seine Einwohner zufriedenstellen möchte dann sollte Ehrlichkeit und Transparenz Grundvoraussetzung bleiben. Das Stadtfest wurde nach ersten offiziellen Angaben aus Mitgefühl den Angehörigen des Opfers gegenüber beendet. In der Pressekonferenz am Folgetag hieß es jedoch, dass dieser Grund ausschließlich ein Vorwand war, um den reibungslosen Abbruch des Festes aufgrund der bevorstehenden Demonstration zu gewährleisten.
Seine Bürger anzulügen und am Folgetag direkt einzuräumen, dass das angesprochene Mitgefühl ohne die Demonstration keinen Abbruch des Festes zur Folge gehabt hätte, macht Einwohner selbstverständlich wütend.

Als Stadt Chemnitz hätte man einiges tun können, um zur Deeskalation beizutragen.


 
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Doch vor allem sollte jedem Menschen klar sein, dass sich Probeme nicht von allein lösen werden! Und dass auch der Staat oder das Land die Probleme einzelner Bürger nicht lösen kann! Sondern dass es bei jedem selbst anfangen muss! Die Lösung ist nicht, sich auf eine politisch extreme Seite zu stellen und die jeweils andere zum Verstummen zu bringen!

Chemnitz, ist viel mehr als eine Stadt mit nur Rechtsextremen, Linksextremen oder Mitläufern!! Zumindest sollte das so sein! Aber Chemnitz ist eine Stadt mit zu vielen unzufriedenen Menschen, die ihren Frust durch ein Ventil ablassen und dabei von Rechtsextremen aus ganz Deutschland ausgenutzt werden! Und das ist im großen Maße traurig, aber vor allem gefährlich!!

Die Ausschreitungen der vergangenen Woche können nicht rückgängig gemacht werden. Ich hoffe jedoch sehr, dass sie Warnsignale für JEDEN Menschen da draußen sind. Es bringt NICHTS sich politisch extremen Strömungen anzuschließen, weil man vielleicht mit sich oder seinem Leben unzufrieden ist.

Wir in Deutschland tragen keine Schuld an den Taten, die zwischen 1933 und 1945 passierten! Das war vor unserer Zeit und keiner von uns heute hatte die Möglichkeit etwas dagegen zu tun! Wir sind nicht in der Verantwortung eine Wiedergutmachung zu leisten oder uns zu rechtfertigen!

Aber wir sind in der Pflicht, dass sich sowas in der Geschichte NIE WIEDER wiederholen darf!

Und dazu gehört es, Menschen mit so einem Gedankengut nicht zu Wort kommen zu lassen! Deshalb ist es ganz wichtig, Demonstrationen wie sie vergangene Woche in Chemnitz gesehen wurden, keine Bühne und keinen Platz in unserer Gesellschaft zu geben! Und sich Demonstrationen anzuschließen, die sich explizit auf nationalsozialistische Meinungen stützt, kann einfach nicht die Lösung sein!

 

Deshalb hoffe ich, dass Chemnitz endlich aufwacht und zeigt, dass wir mehr sind, als das, was in den Medien zur Zeit über uns berichtet wird!

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