Beziehung mit einem NarzisstenBlog

Die Beziehung mit einem Narzissten – Das Leben zwischen „Zuckerbrot und Peitsche“

Wir leben in einer Gesellschaft, in der scheinbar jeder zweite Mensch narzisstische und selbstsüchtige Verhaltensweisen an den Tag legt. Damit meine ich die zur Schau gestellten Instagram-Profile eines nach Außen wirkenden perfekten Lebens oder die egoistische Denkweise in vielen alltäglichen Bereichen (sei es privat oder beruflich).
Ganz oft wird man mit Situationen konfrontiert, in denen man in erster Linie an sich selbst denk oder denken muss und andere Menschen dabei (ob bewusst oder unbewusst) in den Hintergrund stellt.  Doch die Tatsache in dieser Gesellschaft zu leben und sich anzupassen, bedeutet noch lange nicht, dass jeder von uns gleich als Narzisst bezeichnet werden kann.

Denn der Narzissmus als psychische Persönlichkeitsstörung ist sehr viel mehr als das! Was  es genau bedeutet und in welchem Ausmaß sich dieses Krankheitsbild in das eigene, aber vor allem im Leben anderer Menschen ausbreitet ist für viele nicht unbedingt greifbar oder nachvollziehbar. Einige Menschen haben keine Ahnung was es bedeutet mit einem „echten“ Narzissten zutun zu haben und laufen durch diese Unwissenheit förmlich selbst ins offene Messer. Umso wichtiger ist es, sich mit dieser psychischen Persönlichkeitsstörung auseinanderzusetzen.

In allererster Linie darum, ein wenig egoistisch zu sein und sich selbst zu schützen!  😉

“Was für den Selbstsüchtigen gilt, gilt auch für den narzisstischen Menschen. Dessen allgegenwärtiges Interesse ist es weniger, sich Dinge anzueignen, als vielmehr sich selbst zu bewundern. Oberflächlich betrachtet scheinen diese Menschen in sich selbst verliebt zu sein.

In Wirklichkeit aber können sie sich nicht leiden, und mit ihrem Narzissmus wie mit der Selbstsucht kompensieren sie einen grundlegenden Mangel an Selbstliebe.

Freud hat betont, dass der Narzisst seine Liebe vom anderen zurückzieht und auf die eigene Person richtet. Der erste Teil dieser Behauptung ist richtig, der zweite ist ein Trugschluss.

Er liebt weder die anderen noch sich selbst.” 

Erich Fromm

(Die Antwort der Liebe)

Was genau ist Narzissmus eigentlich?

Wenn ich im Folgenden von Narzissmus rede, meine ich dabei narzisstische Anteile der Persönlichkeit innerhalb einer psychischen Störung.

Der Narzisst (männliche Form zur Vereinfachung des Textes. Natürlich geht es um den narzisstischen Mensch; unabhängig davon ob männlich oder weiblich) zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er die absolute Kontrolle über alles und jeden haben will, dabei seine Autonomie erhalten bleiben soll und er deshalb keine zu große emotionale Bindung aufbauen möchte, sondern sein eigenes ICH dabei im Vordergrund steht.
Diese starke Bindungsangst rührt meist aus der Tatsache heraus, dass Narzissten einen enorm geringen oder sehr verletzten Selbstwert haben. Um diesen Selbstwert zu kompensieren oder viel mehr zu verstecken, haben Menschen mit narzisstischen Persönlichkeitsstörungen oft frühzeitig gelernt eine Maske aufzubauen. Ein Scheinbild von sich selbst zu schaffen, was auf den ersten Blick auf andere Menschen unheimlich charmant, liebenswert und selbstsicher wirkt. Nicht selten sind Narzissten sehr extrovertiert, auf jeder Party die lautesten und lustigsten Menschen, werden bewundert und beachtet. Diese Wirkung auf andere Menschen dient jedoch lediglich dazu, die Anerkennung und Beachtung zu bekommen, die sie in den meisten Fällen aus ihrer Kindheit heraus nie (oder zumindest zu wenig) erfahren haben.
Und genau hier setzt das große Problem in einer partnerschaftlichen Beziehung mit einem Narzissten ein. Der Narzisst als Partner (oder die Narzisstin als Partnerin) führt die Beziehung in erster Linie (wenn nicht sogar ausschließlich) deshalb, um sich selbst die fehlende Anerkennung und Aufmerksamkeit zu holen, die er/sie in früher Kindheit nie bekam. Die Folge davon ist, dass die Beziehung nicht in gleicher Augenhöhe stattfindet, sondern lediglich dazu dient, dass sich der Narzisst beachtet, geliebt und anerkannt fühlt. Hier tritt die oftmals genannte Selbstliebe eines Menschen mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung ein.
Nüchtern betrachtet liebt sich der Narzisst jedoch nicht selbst. Ganz im Gegenteil! Der Narzisst fühlt sich minderwertig und schwach und ist deshalb darauf aus, Liebe und Beachtung von anderen zu bekommen, um dieses Selbsthass zu unterdrücken und zu kompensieren! Je größer die entgegengebrachte Aufmerksamkeit dann ausfällt, desto besser kann ein Narzisst sein wahres ICH unterdrücken und ignorieren. Das ist der Grund wieso eine Partnerschaft mit einem Narzissten zumeist eine einseitige Beziehung ist, in der der „gesunde“ Partner versucht die Bedürfnisse des narzisstischen Partners zu befriedigen und sich selbst völlig aufgibt.
Der Begriff „gesunder“ Partner ist jedoch mit äußerster Vorsicht zu genießen. In einer narzisstischen Beziehung zu stecken ist nämlich alles andere als GESUND. Meistens suchen sich Menschen mit solch einer Persönlichkeitsstörung einen Partner aus, der ebenfalls auf der Suche nach Zuneigung und Liebe ist. Nicht selten (aber spätestens am Ende der Beziehung) leidet auch der Partner an psychischen Problemen, die es dem Narzissten leicht machen, sich seine Energie und Aufmerksamkeit einzufordern und zu holen. 

Deshalb ist es sehr wichtig auch als Angehöriger oder (Ex-)/Partner eines Narzissten zu erkennen, wieso man selbst in so einer Beziehung war oder sogar über Jahre hinweg geblieben ist. Denn die Beziehung zu einem Narzissten ist mit sehr viel Leid, Kummer und manchmal sogar körperlichen oder emotionalem Missbrauch verbunden. Dies über einen längeren Zeitraum hinweg mitzumachen und über sich ergehen zu lassen bedeutet, dass der psychische Zustand des „gesunden“ Partners gar nicht so gesund ist, wie man glaubt. Und spätestens am Ende der Beziehung braucht man selbst therapeutische Hilfe und Unterstützung, um das Erlebte aufzuarbeiten und wieder in ein normales Leben zu gelangen.

Woher weiß ich, dass ich an einen Narzissten geraten bin?

Erkennen kann man eine narzisstische Partnerschaft in vielen Fällen erst viel zu spät! Dadurch, dass Narzissten hinter einer Maske leben und nach Außen sehr charmant, liebenswert und scheinbar perfekte Menschen sind, starten Beziehungen mit ihnen zumeist im siebten Himmel. Doch wenn diese charmante liebreizende und zuvorkommende Art verschwindet und der Narzisst sich ins absolute Gegenteil verwandelt hat, ist es oftmals zu spät. Denn spätestens dann, befindet man sich emotional in den Fängen dieses Menschen ohne Ausweg. Stichpunkt hierbei ist die symbiotische Beziehung und die emotionale Abhängigkeit.
Der Narzisst wird anfangen seinen Partner zu kontrollieren und zu manipulieren. In kleinen unbemerkten Schritten wird der Narzisst versuchen diese emotionale Abhängigkeit des Partners aufzubauen und zu festigen um die absolute Kontrolle über ihn zu erlangen. Dieser Kontrollzwang über den eigenen Partner äußert sich zuerst beispielsweise darin, dass der Narzisst seinem Partner vorschreibt, was er anzuziehen hat, wann er zuhause sein soll oder wie er sich zu verhalten hat. Später werden ganze Denkmuster und Meinungen vorgegeben, die der Partner auszuleben und zu folgen hat.
Neben dem enormen Kontrollzwang findet auch immer wieder eine Art Abwertung des Partners statt. Man bekommt beispielsweise  gesagt, dass man nicht klug genug oder nicht hübsch genug und deshalb nichts wert ist. Diese Abwertung dient zum einen dazu, dass sich der Narzisst auf eine höhere Stufe stellen kann und sich somit selbst aufwertet und zum anderen dient sie auch dazu, dem Partner das Gefühl zu geben, nur der Narzisst ist der einzige Mensch, der es in einer Beziehung mit ihm aushält. Diese manipulative Abwertung und Konditionierung findet ebenfalls in ganz kleinen Schritten statt, so dass sie unbemerkt über Monate oder Jahre hinweg vom Partner irgendwann sogar selbst geglaubt wird. Und durch diesen sehr schleichenden und manipulativen Prozess fängt der Partner des Narzissten langsam an, sich noch intensiver zu bemühen, die „Liebe“ des Narzissten zu erhalten und ihm mehr und mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, was der Narzisst will, um sich selbst besser zu fühlen. Der Narzisst ist also ein Meister der Manipulation, ein begnadeter Lügner und unschlagbar darin, Tatsachen zu verdrehen und ausnahmslos jede Situation dafür zu nutzen den Partner jegliche Schuld zu zuweisen um selbst in einem guten Licht dazustehen. Die Beziehung zu einem Narzissten besteht aus einer einzigen großen Manipulation und Lüge.

Doch sobald man einem Narzissten jedoch die Schuld an etwas gibt, ihm in seinem Glauben widerspricht oder ihn womöglich noch kritisiert, wird er an die Decke gehen, aggressives oder passiv aggressives Verhalten zeigen und seinen Gegenüber verletzen und strafen wollen. Diese Verletzungen und Strafen müssen nicht immer physisch sondern können auch psychischer Natur sein. In Form von Beschimpfungen, Beleidigungen oder Ignoranz und Missachtung. Und gerade für den Partner, der in einer Beziehung mit einem Narzissten die emotionale Abhängigkeit und Verlustangst konditioniert bekommen hat, wird bei jedem Streit oder jeder Missachtung eine Talfahrt zur Hölle durchleben. Und genau das ist es, was Narzissten erreichen wollen. Ihre eigene narzisstische Kränkung auf andere zu übertragen, um sich selbst zu schützen und besser zu fühlen.

Sobald ein Narzisst jedoch merkt, dass sein Partner sich durch diese Verletzungen und Strafen langsam von ihm entfernt oder womöglich die Trennung in Betracht zieht, wird der Narzisst wieder alles daran setzen den Partner davon zu überzeugen, zurückzukehren.  Er wird seine Maske aufsetzen und wieder der charmante und liebreizende Mensch werden, der er am Anfang war. Und der Partner wird aufgrund seiner Abhängigkeit dieses Verhalten aufsaugen und daran festhalten wollen. Eine Beziehung zu einem Narzissten ist eine Sucht. Und wie jede Sucht läuft auch diese Beziehung immer nach dem gleichen Muster ab. Man wird mit Liebe überschüttet und erlebt einen Rauschzustand in dem man die komplette Realität ausblendet und sich nur noch auf den einen Moment konzentriert und in vollen Zügen genießt. Sobald dieser Rauschzustand (ähnlich wie bei Drogen) jedoch nachlässt, holt einen die Realität erneut wieder ein. Man fängt an sich nach dem nächsten Rausch zu sehnen. Man beginnt nervös zu werden und jede noch so kleine Möglichkeit in Betracht zu ziehen, so bald wie möglich wieder an den Punkt zu kommen in dem man sich frei und glücklich fühlt. Doch dann kommt der eiskalte Entzug. Man leidet. Man denkt ununterbrochen an diesen Zustand! Man weiß, dass die Liebe einem nicht gut tut. Ein Drogenabhängiger weiß auch, wie schädlich Drogen sind, doch er kommt nicht davon los und denkt ununterbrochen an den nächsten Trip. Und so ähnlich fühlt sich der Liebesentzug zu einem Narzissten an. Sobald man anfängt diese Sucht abzulegen und sich wieder langsam aber sicher an die Realität zu gewöhnen, setzt der Narzisst seinem Partner einen neuen Schuss und der Teufelskreis fängt von vorn an. Und genau diesen Teufelskreis nutzt der Narzisst als absolute Strafe. Wenn er seinen Partner bestrafen will, entzieht er seinem süchtigen Partner die Aufmerksamkeit und die Liebe und lässt ihn leiden.

 

Das große Problem bei der Sache ist die, dass dieses emotionale Auf und Ab der Psyche den „gesunden“ Partner irgendwann vollends zerstört. Im Endeffekt brauchen viele Expartner von Narzissten aufgrund dieser emotionalen Erpressung und Abhängigkeit selbst therapeutische Hilfe.

Kann man Narzissmus therapieren? Hat man die Chance einen Narzissten zu ändern?

Eine klare und eindeutige Antwort darauf ist : NEIN!

Das Problem dabei ist, dass eine Persönlichkeitstherapie (egal für welche Erkrankung) eine Veränderung in der Denkstruktur eines Menschen herbeiführen muss. Und der Wunsch dieser Veränderung MUSS in der Person selbst vorhanden sein! Dazu müsste der Narzisst den Wunsch entwickeln, sich selbst zu ändern. Und gerade weil Narzissten sich selbst als unfehlbar und perfekt definieren, jegliche Schuld bei anderen Menschen suchen und sich selbst nie hinterfragen oder kritisieren würden, ist eine Therapie nahezu ausgeschlossen! Das Denkmuster eines Narzissten hat sich über so viele Jahre hinweg fest etabliert und durchgesetzt, dass der Wunsch nach Veränderung nie aufkommen kann.

Deshalb gilt sehr einfach: Wenn Ihr es mit Narzissten zu tun habt… Dann schützt Euch selbst und lauft weg! Sucht das Weite und vor allem einen Partner, der EUCH liebt. Der mit EUCH zusammen ist, weil er EUCH möchte und nicht um sich selbst besser zu fühlen! Ein Narzisst liebt nicht und ist nicht in der Lage zu lieben. Auch wenn er es noch so oft betont. Diese Behauptung dient lediglich dazu, Euch an ihn zu binden und Euch emotional abhängig zu machen. Sobald er aus Euch keine Bestätigung und Anerkennung mehr herausziehen kann, weil er Euch emotional zugrunde gerichtet hat, wird er Euch entsorgen und sich einen neuen Partner suchen und sein Spiel von vorn beginnen. Ein Leben lang!

Wie komme ich ausgerechnet auf dieses Thema?

Naja… Ich selbst habe mich lange mit den Themen Narzissmus und Borderline befasst und bin auf viele Zusammenhänge und Aussagen gestoßen, die mir geholfen haben, mich aus einer narzisstischen Beziehung zu lösen.

Ich selbst war emotional abhängig. Ich war dieser Liebes-Junkie, der verzweifelt um Zuneigung gekämpft und die Manipulation und Erniedrigungen über mich ergehen lassen hat um meine Dosis “Liebe” ab und an zu bekommen. Doch je mehr ich mich mit dem Thema befassen konnte, desto leichter wurde es, diese Verbindung und die Abhängigkeit zu trennen. Nicht komplett! Es gibt Phasen in denen ich noch immer Entzugserscheinungen zeige und anfällig für narzisstische Hoovering-Taktiken bin.
Und es werden noch viele Wochen und Monate vergehen, bis ich diese Beziehung hinter mir lassen kann. Aber ich bin auf einem guten Weg! Und eben weil mir die Auseinandersetzung mit dem Thema geholfen hat, möchte ich anderen Menschen da draußen auch helfen, damit klar zukommen. Denn erschreckend ist, wie viele Menschen da draußen Ähnliches durchmachen oder durchmachen mussten.

Ich werde versuchen das Thema in den kommenden Wochen verständlich aufzuarbeiten und Euch mitzunehmen in meine Geschichte. Das Thema Narzissmus ist sehr weitreichend und wahnsinnig informativ. Doch es ist wichtig, für Opfer von Narzissten, diese Informationen auch zu haben. Und aus diesem Grund möchte ich Euch klar machen, was es bedeutet eine Beziehung mit einem Narzissten zu führen, wie ihr Euch davor schützen könnt und vor allem was ihr tun müsst, um Euch wieder zu befreien! Denn eine Trennung von narzisstischen Menschen ist schwer! Unendlich schwer! Nicht nur die eigenen emotionale Abhängigkeit steht einem dabei im Weg. Auch der Narzisst selbst, wird Euch nicht in Ruhe lassen! Er wird selbst nach der Trennung versuchen Euch weiterhin zu besitzen und zu manipulieren und in einigen Fällen auch zu härteren Mitteln greifen um Euch davon zu überzeugen zu ihm zurück zu kommen oder Euch notfalls komplett zu zerstören!

Dazu kommen in den nächsten Wochen Schritt für Schritt Beiträge, die je ein bestimmtes Thema aufgreifen, in denen ich versuchen werde das Thema zu erklären, meine eigenen Erfahrungen einfließen zu lassen und vor allem Möglichkeiten aufzuzeigen, wie man die Geschichte endgültig abschließen kann. Natürlich sollen die Einträge auch als Möglichkeit dienen sich auszutauschen, Erfahrungen zu teilen und Ergänzungen zu hinterlassen! Also schreibt mir fleißig oder tauscht Euch untereinander aus! Denn nur wer darüber redet, kann verarbeiten!

In der Hoffnung helfen zu können, wie mir geholfen wurde!

In diesem Sinne! Wir lesen voneinander! ^^

Euer Steve

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